Nach Jahrzehnten des Sparens rückt endlich die Auszahlung Ihrer Versicherung näher. Nun entsteht jedoch eine Frage, die finanziell weitreichender sein kann als erwartet: Soll das vorhandene Kapital auf einmal ausgezahlt werden oder ist eine lebenslange Rente die bessere Lösung?
Zunächst gilt eine wichtige Einschränkung: Nicht jede Lebensversicherung bietet überhaupt beide Möglichkeiten. Bei privaten Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht ist die Entscheidung zwischen Kapital und Rente typisch. Bei einer klassischen Kapitallebensversicherung hängt es dagegen vom konkreten Vertrag und den vereinbarten Optionen ab.
Deshalb sollten Sie einige Monate vor Ablauf zuerst die Vertragsunterlagen prüfen. Danach können Sie Steuern, Liquiditätsbedarf, Lebenserwartung und Hinterbliebenenplanung gegenüberstellen.
Einen Überblick über die verschiedenen Vertragsformen finden Sie im Bereich Lebensversicherung und private Vorsorge.
Schritt 1: Prüfen Sie zuerst, welche Auszahlungsoptionen Ihr Vertrag überhaupt bietet

Bevor Sie rechnen, sollten Sie die Vertragsart bestimmen. Eine Kapitallebensversicherung verbindet typischerweise Todesfallschutz und Kapitalaufbau. Bei Vertragsablauf wird eine vereinbarte beziehungsweise erreichte Kapitalleistung fällig.
Eine private Rentenversicherung ist dagegen stärker auf die Altersversorgung ausgerichtet. Viele Verträge enthalten ein Kapitalwahlrecht. Dadurch können Versicherte vor Beginn der Auszahlungsphase zwischen einer lebenslangen Rente und einer einmaligen Kapitalleistung wählen.
Außerdem gibt es fondsgebundene Varianten und ältere Vertragsgenerationen mit besonderen Garantien. Deshalb sollten Sie nicht von allgemeinen Produktbeschreibungen auf Ihren persönlichen Vertrag schließen.
Kapitalauszahlung: viel Flexibilität, aber auch viel Verantwortung
Eine Einmalzahlung verschafft Ihnen sofort Zugriff auf das vorhandene Kapital. Damit können Sie beispielsweise ein Immobiliendarlehen tilgen, Rücklagen bilden oder einen Teil des Geldes neu anlegen.
Genau diese Flexibilität ist der größte Vorteil. Gleichzeitig tragen Sie danach selbst die Verantwortung dafür, dass das Kapital langfristig reicht. Wer zu viel entnimmt oder zu offensiv investiert, kann später in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Deshalb sollte die Frage nicht lauten: „Wie hoch ist die Auszahlung?“ Besser ist: „Welchen Teil dieses Kapitals benötige ich in den nächsten fünf, zehn und zwanzig Jahren?“
Lebenslange Rente: Schutz vor dem Risiko eines sehr langen Lebens
Eine lebenslange Rentenzahlung löst ein anderes Problem. Sie überträgt das sogenannte Langlebigkeitsrisiko auf den Versicherer. Leben Sie besonders lange, fließt die vereinbarte Rente weiterhin.
Damit kann eine private Rente sehr interessant sein, wenn die gesetzliche Rente und andere sichere Einnahmen Ihre laufenden Kosten nicht vollständig decken. Zudem reduziert sie das Risiko, dass Sie Ihr Alterskapital zu schnell verbrauchen.
Allerdings verzichten Sie im Gegenzug auf einen großen Teil der sofortigen Liquidität. Außerdem hängt die wirtschaftliche Attraktivität stark vom garantierten Rentenfaktor beziehungsweise der konkret angebotenen Monatsrente ab.
Weitere Informationen zu diesen Produkten finden Sie unter private Rentenversicherung.
Kapital oder Rente: die wichtigsten Unterschiede
| Kriterium | Kapitalauszahlung | Lebenslange Rente |
|---|---|---|
| Liquidität | Sofort sehr hoch | Monatlich verfügbar |
| Langlebigkeitsrisiko | Tragen Sie selbst | Versicherer zahlt lebenslang |
| Vererbbarkeit | Restkapital grundsätzlich verfügbar | Abhängig von Garantiezeit/Todesfallregel |
| Anlageentscheidungen | Müssen Sie selbst treffen | Keine eigene Entnahmeplanung nötig |
| Planbarkeit | Abhängig von Ihrer Strategie | Hohe Planbarkeit der laufenden Zahlung |
Die einfache Break-even-Rechnung – und warum sie trotzdem nicht alles sagt
Eine erste Orientierung liefert eine einfache Rechnung. Angenommen, Sie können zwischen 120.000 Euro Kapital und einer garantierten monatlichen Rente von 520 Euro wählen.
Die Jahresrente beträgt 6.240 Euro. Teilen Sie 120.000 Euro durch 6.240 Euro, ergeben sich rund 19,2 Jahre. Beginnt die Rente beispielsweise mit 67 Jahren, wäre die nominelle Kapitalgrenze ungefähr mit 86 Jahren erreicht.
Diese Rechnung ist jedoch nur ein Ausgangspunkt. Denn sie ignoriert Steuern, mögliche Überschüsse, Inflation und die Rendite, die Sie mit einer Kapitalauszahlung erzielen könnten. Außerdem hat eine lebenslange Rente einen Versicherungswert: Sie läuft auch dann weiter, wenn Sie deutlich älter als die rechnerische Grenze werden.
Vergleichen Sie deshalb nicht nur „Kapital geteilt durch Monatsrente“.
Steuern können die Entscheidung deutlich verändern
Die steuerliche Behandlung hängt stark von Vertragsart und Abschlussdatum ab. Deshalb sollten alte und neue Verträge niemals über einen Kamm geschoren werden.
Bei bestimmten nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Kapital- beziehungsweise Rentenversicherungen kann bei einer Kapitalauszahlung grundsätzlich der Unterschied zwischen Versicherungsleistung und eingezahlten Beiträgen steuerlich relevant sein.
Unter bestimmten Voraussetzungen wird nur die Hälfte dieses Unterschiedsbetrags angesetzt. Dazu gehört eine Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren. Bei Verträgen, die nach dem 31. Dezember 2011 abgeschlossen wurden, muss die Auszahlung dafür außerdem grundsätzlich nach Vollendung des 62. Lebensjahres erfolgen.
Bei einer lebenslangen privaten Leibrente funktioniert die Besteuerung wiederum anders. Hier kann der sogenannte Ertragsanteil relevant sein, dessen Höhe vom Alter bei Rentenbeginn abhängt.
Allerdings gelten für Riester-, Rürup-, betriebliche und andere geförderte Altersvorsorgeformen andere Regeln. Deshalb sollten Sie bei größeren Auszahlungsbeträgen die konkrete steuerliche Behandlung Ihres Vertrags vor der Entscheidung prüfen lassen.
Praxisfrage: Haben Sie Schulden oder brauchen Sie laufendes Einkommen?
Die persönliche Finanzlage ist mindestens genauso wichtig wie die Steuer. Wer zum Rentenbeginn noch einen teuren Kredit zurückzahlen muss, kann mit einer Kapitalauszahlung möglicherweise seine monatlichen Fixkosten deutlich senken.
Wer dagegen schuldenfrei ist, aber nur eine geringe gesetzliche Rente erhält, hat möglicherweise mehr Nutzen von einer verlässlichen zusätzlichen Monatsrente.
Außerdem sollten Sie eine Liquiditätsreserve einplanen. Selbst bei einer Rentenlösung benötigen Sie Geld für größere Ausgaben wie Auto, Reparaturen, Zahnersatz oder Unterstützung von Familienmitgliedern.
Auch die Hinterbliebenen sollten berücksichtigt werden
Bei einer Kapitalauszahlung bleibt nicht verbrauchtes Vermögen grundsätzlich in Ihrem Besitz. Es kann daher später Teil Ihres Nachlasses werden.
Bei einer Rentenversicherung hängt die Situation dagegen von den Vertragsbedingungen ab. Möglich sind beispielsweise Rentengarantiezeiten oder andere Hinterbliebenenleistungen. Diese beeinflussen jedoch häufig die Höhe der laufenden Rente.
Deshalb sollten Paare die Entscheidung nicht isoliert treffen. Fragen Sie sich zusätzlich, wie die finanzielle Situation des Partners nach dem Tod eines Ehegatten aussehen würde.
Checkliste vier bis sechs Monate vor der Auszahlung
- Welche garantierte Kapitalleistung wird angeboten?
- Welche garantierte Monatsrente steht alternativ zur Verfügung?
- Gibt es zusätzliche nicht garantierte Überschüsse?
- Bis wann muss das Kapitalwahlrecht ausgeübt werden?
- Wie wird die jeweilige Variante steuerlich behandelt?
- Bestehen noch Kredite oder größere geplante Ausgaben?
- Wie hoch sind Ihre sicheren monatlichen Alterseinkünfte?
- Welche Hinterbliebenenregelung gilt bei einer Rentenzahlung?
- Wie viel Kapital möchten Sie jederzeit verfügbar halten?
Kapitalauszahlung und Sofortrente kombinieren?
Die Entscheidung muss wirtschaftlich nicht immer „alles oder nichts“ bedeuten. Wenn Ihr Vertrag nur eine Kapitalauszahlung vorsieht, können Sie anschließend prüfen, ob ein Teil des Kapitals anderweitig verwendet und ein anderer Teil in eine laufende Versorgung überführt werden soll.
Eine mögliche Lösung kann beispielsweise eine Sofortrente gegen Einmalzahlung sein. Allerdings entstehen dabei neue Tarifbedingungen und Kosten. Deshalb sollte auch diese Variante gerechnet und mit anderen Möglichkeiten verglichen werden.
Fazit: Entscheiden Sie nicht erst am Auszahlungstag
Die Auszahlung einer Lebens- oder Rentenversicherung ist häufig das Ergebnis jahrzehntelangen Sparens. Umso wichtiger ist es, die letzte Entscheidung nicht innerhalb weniger Tage zu treffen.
Prüfen Sie zuerst, welche Möglichkeiten Ihr Vertrag tatsächlich bietet. Stellen Sie anschließend Kapitalbedarf, lebenslange Einkommenssicherheit, Steuern und Hinterbliebenenplanung gegenüber. Danach können Sie berechnen, welche Variante besser zu Ihrem Ruhestand passt.
Wenn Sie verschiedene Vorsorgelösungen gegenüberstellen möchten, finden Sie weitere Informationen im Bereich Lebensversicherung sowie beim Vergleich von Lebensversicherungen. Für laufende Altersleistungen lohnt zusätzlich ein Blick auf die private Rentenversicherung. So beurteilen Sie nicht nur die bevorstehende Auszahlung, sondern Ihre gesamte Altersvorsorge.